Deutscher Gewerkschaftsbund

PM DGB Region Vorder-und Südpfalz - 10.12.2012

DGB Niedriglohnstatistik Neustadt a. d. Weinstraße

Neue DGB-Statistik enthüllt: Viele Vollzeitbeschäftigte in Neustadt erhalten nur Niedriglohn

3 233 Vollzeitkräfte in Neustadt verdienen miserabel. Sie arbeiteten nach einer aktuellen Erhebung des DGB für einen Niedriglohn. Im Jahr 2010 waren dies bereits 31,1 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten. Auszubildende nicht einmal mitgezählt. Auch qualifizierte Arbeitskräfte in der Stadt erhalten oftmals nur einen mickrigen Lohn. 

Erstmals legt der DGB regionale Daten zum Niedriglohnsektor vor. Konkret lag die Niedriglohnschwelle 2010 in allen westdeutschen Ländern bei einem Monatsbrutto von 1.890 Euro. Hans-Jürgen Hemmerling, der DGB Stadtverbandsvorsitzende in Neustadt/Wstr. hebt hervor: „In Neustadt rutschen damit Vollzeitbeschäftigte häufiger in den Niedriglohnsektor als in den alten Bundesländern insgesamt. Dies gilt für Vollzeitbeschäftigte ohne Berufsabschluss noch dramatischer wie für jene mit Ausbildung“. So zählten in Neustadt bereits 21,4 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten mit Berufsabschluss zu den Niedrigverdienern. In den alten Bundesländern insgesamt waren es demgegenüber 16,0 Prozent der Erwerbstätigen in Vollzeit und mit Ausbildung. Auch qualifizierte Beschäftigte bekommen längst den Druck auf das Lohngefüge zu spüren. 

„Das hohe Niedriglohnrisiko von qualifizierten Arbeitskräften passt nicht zu den Klagen von Arbeitgebern über Fachkräftemangel“, unterstreicht der DGB Stadtverbandsvorsitzende in der Auswertung. Dies sei vielmehr ein Indiz dafür, dass Beschäftigte teils im erlernten Beruf keinen Job finden oder nicht qualifikationsgerecht vergütet werden. Trotz Berufsabschluss stecken sie oftmals in Jobs für Un- oder Angelernte. Je länger diese Situation andauere, desto weniger wert sei die erworbene Qualifikation. 

„Noch miserabler sei die Entlohnung für viele ohne Berufsabschluss und noch dramatischer ist wohl deren Anteil im Niedriglohnsegment. Unsere Stadt ist da keine Insel“, so Hans-Jürgen Hemmerling heute in Neustadt. Nach Einschätzung des DGB haben Menschen, die wenig verdienen, oftmals auch ein instabiles Arbeitsverhältnis und ein hohes Entlassungsrisiko. Die beruflichen Aufstiegschancen für Niedriglohnverdiener seien hingegen ungünstiger als in vielen anderen Industrieländern. Wer behaupte, Niedriglöhne seien Einstiegslöhne, der liege falsch. Die Chancen, in besser bezahlte Jobs aufzusteigen, seien hierzulande relativ gering. Viel häufiger als der Einstieg in besser bezahlte Tätigkeiten, ist eine Verfestigung der Niedriglohnfalle, warnt der DGB. 

Der hohe Niedriglohnsektor in Neustadt ist nach Einschätzung des DGB Stadtverbandsvorsitzenden, auch „eine Zeitbombe für künftige Altersarmut. Wer über einen längeren Zeitraum wenig verdient, wird künftig verstärkt von Altersarmut bedroht sein“. Hinzu kommt, dass private Altersrücklagen bei niedrigem Einkommen so selten sind, dass das soziale Problem der Altersarmut dadurch kaum gemindert werden kann.

Vollzeitbeschäftigte i. v. H.  – ohne Auszubildende – mit Niedriglohn 2010 (alte Bundesländer)


Vollzeitbeschäftigte

Neustadt

(1.890 €)

alte Bundesländer

(1.890 €)

mit Berufsausbildung

21,4

16,0

ohne Berufsausbildung

x

32,6

Fach- und Hochschulabschluss

x

4,2

 

 

 

Niedriglohnrisiko insgesamt

31,1

20,8

Arbeitgeber-Meldungen insg.

10 396

16,6 Mio.

Quelle: DGB-Berechnungen nach BA-Entgeltstatistik für 2010

Für die Erhebung hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die auch von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verwendete Definition über Niedriglöhne zugrunde gelegt. Danach zählt zu den Geringverdienern, wer in seinem Land auf weniger als zwei Drittel des mittleren (durchschnittlichen) Lohns kommt. Wegen des immer noch deutlichen Lohngefälles zwischen Ost und West wurde nicht die bundesweite Niedriglohnschwelle, sondern eine differenzierte für West und Ost zugrunde gelegt. Danach lag die Niedriglohnschwelle 2010 in den alten Ländern bei 1.890 Euro brutto im Monat und in den neuen Bundesländern bei 1.379 Euro. Ausgewertet wurden die Meldungen für die Sozialversicherungen, die die Arbeitgeber vornehmen. In der Stadt Neustadt allein wurden die Meldungen für 10 396 Vollzeitbeschäftigte mit sozialversichertem Job einbezogen, für die alten Bundesländer rd. 16,6 Mio. und für die neuen Bundesländer gut  3,9 Mio. Meldungen.


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